Hier wurde ich geboren. Hier bin ich aufgewachsen. Hier will ich auf keinen Fall bleiben!
Der kleine Ortsteil, in dem ich lebe, ist wunderschön. Harmonisch und sauber. Mehr oder weniger. Doch jeden Morgen, wenn ich zur Schule fahre, sehe ich diese Stadt. Mit den unfreundlichen Menschen, den hässlichen Gebäuden. Wie dreckig einfach alles ist. Außerdem gibt es bald mehr Tauben als Menschen. Ich hasse diese Viecher! Jeden Morgen laufe ich durch die Einkaufsstraße. Sehe mir die schrecklichen Hausfassaden an, begleitet vom ewigen Gestank der Fischlaster und Müllwagen. Um keine Ecke kannst du gehen, ohne auf eine neue Baustelle zu stoßen. Keinen Schritt tun, ohne verachtende Blicke ab zu bekommen. Die Parks ... naja, über die Gestalten dort möchte ich lieber nicht reden. Ich gehe zur Schule, wieder nach Hause. Abends gehe ich feiern. Wo auch immer, Möglichkeiten gibt es genug. Die Läden sind alle schlecht, also ist es egal, wo man hingeht. Nachts mache ich mich auf den Weg nach Hause. Und stelle fest: im Dunkeln, wenn man den Schmodder auf den Straßen und die Penner,die in den Ecken liegen nicht sieht, wirkt Gießen völlig normal. Fast schon schön ist der Seltersweg, der Tagsüber kaum zu ertragen ist. Doch nachts, wenn nur noch ein wenig Beleuchtung übrig ist, hat er was magisches. Nachts ist sowieso alles viel schöner. Dann stehe ich da, in dieser Stadt, die ich so verabscheue, und weiß genau: egal was ich mache, egal, wohin mein Weg mich führt; Gießen wird immer mein Zuhause ein, ob mir das nun gefällt oder nicht.

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